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Rubinrot

Rubinrot

INHALT: „Rubinrot“ beginnt geraume Zeit vor der eigentlichen Geschichte: Der Zuschauer verfolgt die Flucht zweier zunächst unbekannter Gestalten durch London, die eine merkwürdige Apparatur unter den Armen halten. Als beide Personen umzingelt werden, wird die Apparatur gestartet und mit einem blauen blitzenden Licht verschwinden beide spurlos. Und damit befindet sich der Kinogänger im heutigen London auf der protzigen Geburtstagsfeier von der nun 16-jährigen Charlotte Montrose (Laura Berlin). Mittels einer Kamera, die Gwendolyn Shepherd (Maria Ehrich) in den Händen hält, werden dem Publikum durch witzige Kommentare und amüsante Fotos die Charaktere des Hauses Montrose vorgestellt. Gwen erklärt auch, dass es in ihrer Familie eine Art Genmanipulation gibt. Dieses Gen ermöglicht es, dem Besitzer in der Zeit zu reisen. Natürlich ist nicht jeder der Familie Montrose ein Besitzer eines solchen Gens, sondern nur Auserwählte, deren Geburtsdaten vor Hunderten von Jahren berechnet wurden. Und dazu gehört wohl auch Charlotte, denn seit Gwendolyn denken kann, dreht sich alles nur um Charlotte.
Während entsprechende Vorkehrungen für Charlottes ersten Zeitsprung getroffen werden, erfährt Gwen von ihrer Großtante Maddy (Katharina Thalbach), dass es eine Zeitmaschine gibt, die der Chronograf genannt wird und die mit dem Blut des Genträgers funktioniert. In diesem Gespräch erfährt Gwen zum ersten Mal etwas über Lucy Montrose (Josefine Preuß) und Paul de Villiers (Florian Bartholomäi). Denn beide haben den ersten Chronografen gestohlen und in die Vergangenheit mitgenommen. Demnach gibt es nicht nur weibliche Genträger aus dem Haus Montrose, sondern auch männliche Genträger aus dem Haus de Villiers. Der 18-jährige Gideon (Jannis Niewöhner), welcher mit Charlotte auf die Zeitreisen vorbereitet wurde, ist der derzeitige Genträger der de Villiers. Nach dem Gespräch geht Gwen Bonbons für ihre Großtante holen, doch völlig unvorbereitet findet sich Gwen auf einmal im London Anfang des 20. Jahrhunderts wieder. Erschrocken und verunsichert wird ihr klar, dass nicht Charlotte, sondern sie das Zeitreise-Gen geerbt hat. So plötzlich, wie Gwen in die Vergangenheit gereist ist, taucht sie wieder in der Gegenwart auf. Nach anfänglichen Schwierigkeiten berichtet Gwen ihrer Mutter Grace (Veronica Ferres) ihre Gabe, oder wie Gwen es sieht, ihr Leid. Und hier beginnt das große Abenteuer und die romantische Liebesgeschichte, denn die tollpatschige Gwen und der arrogante Gideon müssen nun zusammen das größte Geheimnis ihrer gemeinsamen Familiengeschichte aufklären…

REZENSION: Gefährliche Zeitreisen, geheimnisvolle Prophezeiungen und natürlich eine romantische Liebesgeschichte: All das kombiniert der neue Film „Rubinrot“ von Felix Fuchssteiner (Regie). Der Film basiert auf den ersten Teil einer weltweit erfolgreichen Romantrilogie von der deutschen Autorin Kerstin Gier. Auch wenn die Geschichte auf den ersten Blick etwas kitschig klingt, so wird man schnell merken, dass man die 122 Minuten gut unterhalten wird. Und das nicht nur, weil sich die Filmcrew dazu entschlossen hat, auch einige Szenen in London zu drehen, um die Geschichte so authentisch wie möglich zu gestalten. Sondern auch wegen der relativ ungebrauchten Gesichter der durchaus talentierten Jungschauspieler in den Hauptrollen, wie Maria Ehrich („Rock it“, „Doctor’s Diary“), Jannis Niewöhner („Die Wilden Hühner und die Liebe“, „Sommer“, „Gangs“) und Laura Berlin („Schneewittchen“).
Doch leider, leider, bringt die Entscheidung Jungschauspieler einzusetzen auch ein gewisses Berufsrisiko mit sich. Denn Jannis Niewöhner als Gideon de Villiers musste das eine oder andere Mal fechten und um sich schlagen um die holde Maid (Gwen) zu beschützen. Aber seine sogenannte „360-Grad-Abwehr“ sah etwas eigenwillig und absonderlich aus. So hat man in manchen Szenen den Anschein er fliege wie ein erstarrter Vampir auf sein Opfer zu oder haut diesem absichtlich am Gesicht vorbei. Mag es daran liegen, dass Jannis Niewöhner noch nicht so oft vor der Kamera das Kämpfen mimen musste, oder vielleicht sogar daran liegen, dass der Schnitt eine Millisekunde zu früh eingesetzt hat, oder auch beides. Es sah jedenfalls nicht immer richtig aus. Und da wäre auch schon der nächste Punkt angesprochen. Denn Maria Ehrich hat von Geburt an dunkelbraune Augen. Da der Hauptcharakter Gwendolyn Shepherd aber blaue Augen hat, musste Maria Ehrich Kontaktlinsen tragen, sodass sich ihre Pupillen in den Licht- und Schattensequenzen nicht geschlossen oder geweitet haben. Zusätzlich kam das Blau in ihren Augen sehr merkwürdig und unnatürlich rüber, dass es teilweise schon etwas von der Handlung und den Gestiken abgelenkt hat. Auch einige Schauspieler wirkten sehr unnatürlich auf der Leinwand, teilweise auch etwas befremdlich. Dazu gehört zum Beispiel Florian Bartholomäi („Der Vorleser“), der sehr bemüht und steif wirkte, aber auch Veronica Ferres. Bei ihr waren Emotionen von überschwänglicher Freude, mütterlicher Fürsorge und geheimnisvoller Warnung alles ein Gesicht (Kristen Stewart & Steven Seagal lassen grüßen). Für mich sah es so aus, als wollte man einfach noch einen weiteren bekannten Namen für den Film gewinnen und dabei ist die schauspielerische Leistung (nicht gemessen an Hauptrollen, versteht sich) eher nebensächlich. Schade, denn auch auf dem deutschen Markt hätte es durchaus bessere Schauspielerinnen für die Rolle der Grace Shepherd gegeben.
Was jedoch schwerer im Magen liegen bleibt, als das vorher erwähnte, ist die Verfremdung des Buches. Wer das Buch nicht gelesen hat, dem wird das auch nicht auffallen, da der Film rund um okay ist. Er bietet Action. Er bietet Liebe. Er bietet Geheimnisse. Es ist also alles da. Für den Leser hingegen, für den Liebhaber der Bücher, für den ist zwar auch alles da, aber irgendwie doch alles komplett anders. Es beginnt bereits in der ersten Szene, in der Verfolgung von Lucy und Paul. Was im ersten Band der Trilogie mit Mühe und Detailliebe zum Ende hin erahnen lässt, wird im Film bereits in der ersten Szene mehr oder minder geklärt. Auch sind die ersten unkontrollierten Zeitsprünge von Gwendolyn andere, als wie sie im Buch beschrieben sind. So trifft Gwen bereits beim zweiten Sprung ihren Großvater Lord Lucas Montrose (Axel Milberg). Aber nicht nur die unkontrollierten Zeitsprünge sind andere, auch die Reihenfolge der kontrollierten Zeitsprünge ist abgeändert. Es fällt zwar unter künstlerische Freiheit, diverse Stellen im Buch für den Film abzuändern, weil sich daraus vielleicht ganz andere Möglichkeiten ergeben, die nicht zwangsläufig schlecht sein müssen, aber hier hat man sich an manchen Stellen des Films dann etwas zu viel davon gegönnt.
Nichtsdestotrotz, es handelt sich hierbei um einen guten Film, der alles enthält, um zu unterhalten. Die meisten Schauspieler, vor allem die jüngeren, sind durchweg talentiert und können auch ihre Rolle überzeugend darstellen. Das Szenen- und Bühnenbild, sowie die Kostüme wirken authentisch, nicht zuletzt, weil tatsächlich in London gedreht wurde, sondern auch weil trotz der vielen verschiedenen Charaktere versucht wurde das Schüchterne, das Geheimnisvolle, das Exzentrische, und die vielen anderen Eigenschaften nicht zu verstecken, sondern mit der entsprechenden Kamerastellung und den Kleidern hervorzuheben. Und auch trotz des oben erwähnten Fiaskos ist „Rubinrot“ eine gute Romanverfilmung, denn letztlich ist ja alles dabei, nur eben anders.

FAZIT: Überraschenderweise bietet diese Filmproduktion solide Kinounterhaltung. Es ist nichts, was einem vom Hocker reißt, aber auch nichts mit Fremdschämfaktor 100. Eben ein guter erster Teil mit zwei drei Mankos, der aber auch Lust auf mehr bereitet.

30-sterne

• Genre: Fantasy • Studio: Concorde Filmverleih (14. März 2013) • ASIN: B00BQTL1DE • Dauer: 122 Minuten • Reihe: Edelstein-Trilogie •

(Bilder © Concorde Filmverleih)

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