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[Buchrezept] Und dann kam Ute — Atze Schröder

Und dann kam Ute

Mische die folgenden Zutaten in einer Rührschüssel zusammen:
– 1 Stück „Erster Satz“

Sie keuchte vor Verlangen und flüsterte mit erotischem französischem Akzent: „Nimm die Finger da weg … isch zähle bis 1000. Ahhh!“

– 300g Handlung

Atzes Leben besteht aus scharfen Frauen, Bier und RTL Exklusiv. Doch dann kam Ute und zieht in die Wohnung unter Atze ein. Ute ist schwanger, Waldorflehrerin, Veganerin und Single. Laut Atze wohl eine Ökotrute, wie sie im Buche steht. Doch schnell sollen sich alle Vorurteile gegenüber Ute legen, denn bereits nach dem ersten Gespräch merkt Atze, dass sie nicht wie jede seiner anderen Flachpfeifenmädels ist. Ute ist nämlich wortgewandt und hat immer einen kecken Spruch auf den Lippen. Zwischen ihr und Atze entwickelt sich schon bald ein freundschaftliches Verhältnis. Kaffeekränzchen und Schnatterabende stehen auf dem Programm bis Atze eines Tages merkt, dass da vielleicht doch mehr als nur Freundschaft im Spiel sein könnte. Anstatt mit Ute über das „Problem“ zu reden, gerät der doch manchmal recht eifersüchtige Atze von einem peinlichen Fettnäpfchen ins nächste …

– 2 TL Charaktere

Das Buch enthält unzählige skurrile Figuren. Die Bandbreite reicht von dem sogenannten Gomera-Gerd, der es schafft am Tage ein unscheinbarer Bankangestellter zu sein und am Abend seine Wohnung vollkifft über Kati Deutschmann, die ab einem gewissen Alkoholpegel ihre Libido nicht mehr unter Kontrolle hat bis hin zu Uwe a.k.a. Birkel, der nach seinem Leitspruch „Jedem Pudel juckt die Nudel“ ein entsprechendes Etablissement eröffnet hat. Zwischen all diesen abgedrehten Figuren fällt es schwer, eine besonders hervorzutun. Doch Ute fällt aus dem Rahmen, denn sie ist irgendwie normal, hat ihr Herz am rechten Fleck und rennt nicht wie jeder blind ins neue Abenteuer, sondern überlegt erst mal – wahrscheinlich hat sie aus vergangenen Ereignissen gelernt.

– 1 EL Wow!

Gibt es etwas, dass besonders positiv hervorsticht? Vielleicht das Lesebändchen, der Teddybär auf dem Cover und eine höchst amüsante Szene zum Thema Waldorfschulen.

Verrühre diese gründlich und backe die Mischung dann im Ofen. Wenn der Kuchen abgekühlt ist, schlage die Creme auf und verteile sie über den Kuchen. Für die Creme benötigst du:
– 100g Eigene Meinung

Im Großen und Ganzen hat mir „Und dann kam Ute“ von Atze Schröder einige Stunden Lesespaß bereitet. Man erwartet auch von Atze Schröder eine Menge Witz und Humor, doch leider ist nicht alles Gold, was glänzt.
Auf den ersten Seiten, in denen man sich noch in die Geschichte einfinden muss und eigentlich ganz schnell erfahren will, wer diese Ute eigentlich ist, funktionieren Dinge, wie schlüpfrige oder urkomische Beschreibungen der Bekanntschaften oder Nachbarn von Atze Schröder. Doch bald merkt man, dass Atze eigentlich viel mehr als nur die Geschichte über Ute erzählen möchte und das eigentlich auch tut, sodass man bei den unzähligen Nebenhandlungen schnell vergisst, worum es eigentlich geht. Und zumindest war es bei mir so, habe ich es als unschön empfunden, ständig rekapitulieren zu müssen, wo und an welcher Stelle sich Atzes und Utes freundschaftliche Liebesbeziehung befindet..
Obwohl „Und dann kam Ute“ durchweg lustig geschrieben ist, bleiben die wirklich großen Lacher aus. Allerdings kann das auch daran liegen, dass Atze Schröder bereits zum Urgestein der deutschen Comedy-Szene gehört und man demnach viele seiner Witze kennt und auch abschätzen kann, wie er in bestimmten Situationen reagiert. Hinzukommt, dass in dem Buch ein Gag den nächsten jagt und dem Leser damit keine Möglichkeit geboten wird, diesen auch wirken zu lassen, geschweige denn, dass der Witz selbst in der Geschichte die Chance hat, sich langsam aufzubauen.
Während man die beiden oben genannten „Mängel“ unter „Es soll ja nur lustige Lektüre für zwischendurch sein“ abbuchen kann, habe ich mich an dem manchmal recht derben und vor allem unnötigen Alkoholkonsum (es soll Situationen geben, in denen man sich mit Leuten unterhalten kann, anstatt seinen Herzschmerz in Bier zu ertrinken) und der ständigen Erwähnung eines privaten Fernsehsenders gestört. Wenn das eine nachgelassen hat, hat das andere zugenommen. Und umgekehrt.
Nichtsdestotrotz möchte ich das Buch nicht verdammen, da es irgendwo trotzdem noch besser ist als die Lektüre für zwischendurch. Ich denke, das liegt aber auch zum Teil daran, da es das erste seiner Art ist, weshalb Atze es auch bei „Und dann kam Ute“ belassen sollte.

– 2 TL Empfehlung

Ich kann das Buch denen empfehlen, die selbst viel Humor haben oder ganz besonders Atze Schröders Humor mögen, da ein Witz in Schröder-Manier auf den nächsten folgt. Wer diesen nicht mag, wird an dem Buch keinenfalls Freude haben. Auch sollten Kinder unter 16 Jahren das Buch nicht zu lesen bekommen, da Alkohol, Sex und Drogen durchweg präsent sind.

Wenn du möchtest, kannst du noch einige Kleinigkeiten auf der Creme verstreuen
– 1 Autor Atze Schröder
– 1 Wunderlich Verlag
– 288 Seiten
– 1 oder 2 humoristische Romane, sowie etwas von einer Biografie

Fazit: Zu oft das gleiche Topping, verdirbt einen auch irgendwann den Appetitt.

35-sterne

• Genre: Humor (Belletristik) • Verlag: Wunderlich (20. September 2013) • ISBN: 978-3805250610 • Seiten: 288 Seiten • als Kindle-Version erhältlich •

(Buch © Wunderlich/Rowohlt)

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