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American Hustle

American Hustle

INHALT: 1978 ist Irving Rosenfeld für die Außenwelt stolzer Vater, glücklich verheiratet mit Rosalyn und Besitzer einer Wäschereikette. Doch sein eigentliches Geld verdient er mit Trickbetrügerei: hier ein gefälschtes Gemälde, da ein fauler Kredit. Auf einer seiner umschweifigen Partys trifft er die Ex-Stripperin Sydney Prosser. Durch äußerlichen Schein und kleineren Lügen hat sie es mittlerweile geschafft ganz oben in der Redaktion des Cosmopolitan Magazin mitzumischen. Nach ein bisschen Tête-à-tête hier und wenig Ei, Ei, Ei da, vertraut sich Irving mit seinen Geschäften Sydney an. Sie ist sofort begeistert und schlägt Irving vor als Partner bei seinen Betrügereien mitzuwirken. Dabei gibt sich Sydney als Lady Edith Greenslay aus, eine britische Aristokratin im Besitz von zig Millionen Pfund, die sie investieren möchte. Und die Leute fallen drauf rein – bis an dem Tag, als die beiden Geschäfte mit dem getarnten FBI-Agenten Richard DiMaso machen. Um einer höheren Strafe zu entgehen, unterbreitet DiMaso den beiden das Angebot für ihn und mit ihm während der Operation Abscam zu arbeiten. Natürlich nehmen Irving und Sydney das Angebot an, denn was können sie besser als die großen Fische, z.B. den Bürgermeister Carmine Polito, zu betrügen?

REZENSION: „American Hustle“ ist der neue Film von David O’Russell. Und weil der Streifen 10 Mal für einen Oscar nominiert wurde, muss der ja auch wirklich super sein. Oberflächlich betrachtet kann man das durchaus behaupten. Schaut man aber hinter die Fassade bekannter, talentierter und erfolgreicher Namen und natürlich dem glorifizierten 70er-Jahre-Flair, so ist „American Hustle“ nur noch okay. Mit dem Hinweis, dass der grobe Rahmen der Handlung auf wahren Gegebenheiten beruht, beginnt der Film. Gemeint ist damit die FBI-Operation namens ABSCAM in den 70er und 80er Jahren, wo Politiker der Korruption überführt werden sollten. Die Grundvoraussetzung für eine unterhaltsame Geschichte ist also gegeben. Und vielleicht dachte David O’Russell, dass das bereits genug sei und er nur noch die Rollen mit großen Namen besetzen muss. Die sieht man auch letzten Endes talentiert durch die wirklich wunderschöne und realistische 70er-Jahre-Kulisse huschen, ja selbst die Banner von Columbia Pictures und Annapurna Pictures sind extra in diesem Style gehalten, aber das war es dann irgendwie auch schon.

Natürlich gibt es neben dem eigentlichen vertrackten Coup auch viele Beziehungsdramen zwischen Rosalyn und Irving, zwischen Sydney und Irving oder zwischen Irving und DiMaso, die das Spektakel etwas aufpeppen sollen. Aber letztlich wollen all diese Geschichten in meinen Augen nicht wirklich zusammenfinden und lassen „American Hustle“ wie eine Abfolge gut inszenierter und gespielter Szenen wirken (von einigen Logikfehlern mal ganz abgesehen). Ein weiteres Problem, zumindest für meinen Hang zur Gerechtigkeit, ist die Tatsache, dass der Film die korrupten Politiker als Opfer darstellt und man selbst nicht umhin kommt, nach Beendigung des Films Mitleid mit diesen „armen Schweinen“ zu hegen. Sicherlich kann man bei einer solchen Art von Film nicht mit der Moralfuchtel umherwedeln, aber hätte man nicht ein bisschen das Skandalöse am Abscam-Skandal hervorheben können, anstatt die Familien und die guten Taten der Politiker zu zeigen, die natürlich Sympathien aufbauen? Ich weiß nicht so recht. Nichtsdestotrotz ist der Film voll von witzigen Bildern und zynischen Dialogen, sodass man die knapp 140 Minuten eigentlich gut unterhalten wird. Und auch das Ende von „American Hustle“ ist sehr unterhaltsam und wendungsreich, verdeutlicht aber nur einmal mehr, dass Logik eine untergeordnete Rolle spielt. Stattdessen hat David O’Russell alles auf Spaß gesetzt. Wie ich bereits kurz angerissen habe, ist das Schauspiel das wirklich Großartige an dem Film. Und da haben auch alle eine Oscarnominierung verdient. Na ja vielleicht nicht ganz Amy Adams. Sie spielt Sydney Prosser a.k.a. Lady Edith Greenslay und nutzt dabei in der Originalversion des Films einen ziemlich grausigen britischen Akzent. Für mich stellt sich hier die Frage, ist das Absicht oder kann sie es nicht besser? Ich weiß es nicht. Abgesehen davon spielt sie sehr überzeugend die heiße in Polyester und manchmal auch Pailletten gekleidete Sexbombe, die nicht nur gut ausschaut, sondern auch Köpfchen hat.

An ihrer Seite steht Christian Bale als übergewichtiger Kleinbetrüger Irving Rosenfeld. Bale hat extra für diese Rolle 20kg zugenommen, um auf diese Weise mit seiner Halbglatze, dem extravaganten Kleidungsstil und der Kombination aus Arroganz, Ehrgeiz und charmanter Unsicherheit schleimiger und realistischer zu wirken als all seine Kollegen zusammen. Bradley Cooper könnte man mit seinen rosafarbenen Lockenwicklern als knuffiges Gimmick zum Film betrachten. Aber auch er überzeugt als übereifriger FBI-Agent, der letzten Endes doch bloß eine kleine Leuchte im großen Ganzen ist. Am meisten glänzt aber Everybody’s Darling Jennifer Lawrence, und das obwohl sie nur in einigen Szenen als Rosalyn Roselfeld zu sehen ist. Sie ist ein Feuerwerk an Emotionen, ein Running Gag ohne zur Witzfigur zu werden, sie ist einfach brillant mit nur 23 Jahren. Ich finde ihre Version der infantilen, verbitterten sowie verletzlichen, aber auch gefährlichen Rosalyn einfach nur grandios.

FAZIT: „American Hustle“ ist ein durchaus unterhaltsamer Film mit vielen Lachern, extravaganter Mode, einem tollen Soundtrack und wirklich talentierten Schauspielern. Doch leider kann das Spektakel nicht die Erwartungen erfüllen, die man im Vorfeld aufgebaut hat. Denn David O’Russell hat mit „American Hustle“ bewiesen, dass er zwar eine gewisse Liebe zu außergewöhnlichen Charakteren hegt, aber nur bedingt versteht, diese auch in eine vernünftige Handlung einzubetten. So kommt zwar ein sehenswerter Film bei herum, aber 10 Oscarnominierungen ist er meiner Meinung nach nicht wert.

35-sterne

• Genre: Drama • Studio: Annapurna Pictures, TOBIS Film (13. Februar 2014) • Dauer: 128 Minuten •

(Bilder © 2014 TOBIS Film)

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