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Systemfehler – Wenn Inge tanzt

Systemfehler - Wenn Inge tanzt

INHALT: Max ist der Leader einer Punkrockband namens Systemfehler. Er und seine „Compadres“ feiern neuerdings einen kleinen Erfolg in den lokalen Schulen und sogar im Radio mit ihrem Hit „Wenn Inge tanzt“, weshalb auch der Produzent Dan Biermann des Labels Red Music auf die Band aufmerksam wird. Um zu beweisen, dass die Jungs es wert sind, unter Vertrag genommen zu werden, bietet Biermann ihnen die Chance als Vorband mit ihrer Hitsingle bei einem Konzert von Madsen das Publikum zu rocken. Doch wie sollte es anders kommen, bei einem kleineren Gig verletzt sich Joscha, der Gitarrist der Band, an beiden Handgelenken und muss für die kommenden Wochen die Gitarre zur Seite legen. Also muss Ersatz her. Nur zu dumm, dass die verfeindete Ökotrulla Inge, die seit dem Hit ständig von ihren Mitschülern auf die Schippe genommen wird, die einzig wirklich gute Gitarristin der kompletten Schule ist. Notgedrungen sehen sich Systemfehler gezwungen einen Deal mit ihr einzugehen: Der Song „Wenn Inge tanzt“ wird auf gar keinen Fall beim Konzert gespielt!

REZENSION: Der aktuelle Streifen von Wolgang Groos heißt „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“. Dabei handelt es sich um eine freche, charmante und musikalische Teenieromanze, bei der man zwar von Anfang an weiß, wie es ausgehen wird, die aber am Ende doch nicht ganz so klischeehaft daherkommt, wie der Trailer vermuten lässt. Diesen habe ich mir nämlich kurz vor Erscheinen der Blu-ray angesehen, da ich von der Existenz des Films selbst nicht gewusst habe. Zwar lief der gleichnamige Song im Sommer 2013 tatsächlich mehrfach im Radio, aber wer hinterfragt denn schon jeden einzelnen Möchtegernpunkrocksong einer gecasteten Teenieband? Umso überraschender und lustiger ist dann das Filmerlebnis nicht nur für Zuschauer im pubertierenden Alter. Dafür haben die Schreiberlinge Thomas Winkler, David Ungureit und Rainer Ewerrien gesorgt. Die drei Herren haben bewusst auf gekünstelte Jugendsprache, wie Yolo, Swag und Konsorten, verzichtet und sich stattdessen auf erfrischenden und lässigen Humor konzentriert, der entsprechend der Zielgruppe auch mal frühreif ausfällt. Besonders in den Wortgefechten zwischen den anfänglichen Feinden Max und Inge wird die Liebe zum Drehbuch deutlich. Dazu kommt noch eine Prise Slapstick und die Tatsache, dass sich „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ gern mal selbst auf die Schippe nimmt.

Was mir hingegen weniger gut gefallen hat, sind die doch recht profillosen Charaktere des Films. So zum Beispiel Max, gespielt von Tim Oliver Schultz. Er hat mit seiner Familie auf Kuba gebrochen, weil ihm, so scheint es, Ruhm und Geld wichtiger sind. Doch ob das den Tatsachen entspricht, erfährt der Zuschauer nicht. Auch Inge, welche von Paula Kalenberg dargestellt wird, ist und bleibt bis zuletzt die Ökotussi, die gern tanzt. Und Constantin von Jascheroff als Joscha ist Sohn eines Finanzheinis, der sich im Verlauf des Films zum Gegenspieler entwickelt, mehr aber auch hier nicht. Von den anderen beiden Compadres braucht man erst gar nicht zu reden. Ein weiteres Problem ist das äußerliche Erscheinungsbild. Für eine Punkrockband wirken die Jungs einfach zu glatt und die aufgemalten Tattoos lächerlich. Auch sind allesamt viel zu alt, um tatsächlich Abiturienten darzustellen. Was klar sein dürfte, wenn man bedenkt, dass alle etwa 8 – 9 Jahre älter sind als ein gewöhnlicher Gymnasialschüler. Den Teenies werden sie trotzdem gefallen. Die Profillosigkeit wirkt sich erfreulicherweise nicht auf die schauspielerische Leistung der bisher genannten Darsteller aus. Und auch einen Running Gag hat diese Komödie zu bieten. Hierfür wurde Peter Kraus engagiert, der den in die Jahre gekommenen Schlagersänger Onkel Herb und seine Macken köstlich imitiert. Obwohl die Eigenparodie von Kraus zum Schießen ist, kann sie dem einen oder anderen Zuschauer zum Ende hin auf die Nerven gehen. Denn immer wenn Kraus als Onkel Herb auf der Bildfläche erscheint, beschäftigt sich dieser mit dem zukünftigen Ableben, ohne aber wirklich erkrankt zu sein. So sieht man ihn zum Beispiel beim Sarg-Shopping oder Klamotten-Haul für den etwaigen Tag.

Passend zur Geschichte der fiktiven Band Systemfehler gibt es eine Handvoll extra für den Film wirklich gut komponierter Songs mit Ohrwurmcharakter, darunter das Titellied „Wenn Inge tanzt“. Aber auch Hits von Madsen wurden verwendet, die zudem eine kleinere Gastrolle im Film haben. Und auch insgesamt ist die Tonqualität der Blu-ray sehr gut. Das kann man auch über die Bildqualität sagen. Denn zum einen wurden für den deutschen Film unkonventionelle Kameraeinstellungen verwendet, die ein wenig an den amerikanischen Stil erinnern, und zum anderen ist das Bild durchweg scharf und klar. Man merkt halt einfach, wenn ein Film etwas mehr Budget zur Verfügung hat, wie im Falle von „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“. Zuguterletzt sei noch gesagt, dass den Zuschauer dieser Blu-ray über eine Stunde Bonusmaterial erwartet. Dabei reicht die Bandbreite von gewöhnlichen Interviews mit den Darstellern über Trailer und einem Making-of bis hin zu Musikvideos der Band.

FAZIT: „Systemfehler – Wenn Inge tanzt“ ist alles andere als ein typisch deutscher Film. Die Macher des Streifens haben verstanden, wie man eine charmante und lustige Teeniekomödie kreiert, ohne dabei peinlich oder krampfhaft zu wirken. Leider hapert es durchweg an der Tiefe der Charakterprofile, sodass Inge, Max und seine Compadres eher hübsch anzusehen sind als das man ihre Beweggründe versteht. Für die eigentliche Zielgruppe wird es reichen. Aber auch Zuschauer im Alter 20+ werden ihren Spaß nicht nur am Humor des Films haben, sondern auch an einer Handvoll ohrwurmverdächtiger Popsongs.

35-sterne

• Genre: Komödie • Studio: Splendid Film (11. Juli 2013 // 31. Januar 2014) • Dauer: 100 Minuten •

(Bilder © 2014 Splendid Film)

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