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Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

INHALT:Hazel Grace Lancaster ist 16 Jahre alt und an Schilddrüsenkrebs erkrankt. Aufgrund von Metastasen in ihren Lungen muss sie Tag und Nacht an einer Sauerstoffflasche angeschlossen sein. Doch dank eines Testmedikaments ist ihr Zustand seit mehr als 3 Jahren stabil. Ihre Freizeit verbringt sie seither mit Reality-TV, Universitätsvorlesungen und Büchern, vor allem mit ihrem Lieblingsbuch „Ein herrschaftliches Leiden“ geschrieben von Peter van Houten. Eines Tages möchte ihre Mutter etwas Abwechslung in Hazels Leben bringen und verpflichtet sie an einer Krebsselbsthilfegruppe für Jugendliche teilzunehmen. Dort trifft Hazel auf Augustus „Gus“ Waters, welcher zwar den Kampf gegen den Knochenkrebs gewonnen hat, aber dafür musste er ein Teil seines Beins geben. Während Gus sich auf den ersten Blick in Hazel verliebt, stößt sie ihn zunächst von sich und möchte nur mit ihm befreundet sein. Auf seine witzige und nette Art akzeptiert Gus Hazels Bitte. Doch bald beginnt sie sich ihm gegenüber zu öffnen und schildert ihren geheimen Wunsch: Peter van Houten einmal persönlich zu treffen. Gus lässt diesen wahr werden und schon bald begeben sich beide auf den Weg nach Amsterdam zu van Houtens Haus. Dieser entspricht allerdings nicht Hazels Vorstellungen und der freundschaftlich-romantische Abenteuerurlaub droht zu floppen, bis sich Hazel und Gus im Anne-Frank-Haus endlich küssen…

REZENSION: Die jüngste Vergangenheit hat bewiesen, dass nicht jeder Jungendbuch-Bestseller dazu geeignet ist, tatsächlich auch verfilmt zu werden. Sei es, weil sich die Macher zu viele Freiheiten bezüglich des Inhalts genommen haben oder weil falsche Darsteller gewählt worden. Doch mit „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ gelingt es dem Indie-Regisseur Josh Boone und den zwei Drehbuchautoren Scott Neustadter und Michael H. Weber das von Fans geliebte Buch ziemlich getreu und mit nur wenigen Änderungen, sowie mit viel Liebe auf der Leinwand darzustellen, ohne dabei die Magie, die die Geschichte über Hazel und Gus mit sich bringt, zu verlieren. Lange hatte ich mich jedoch vor dieser Magie gescheut, wusste nicht einmal, dass es sie gibt. Denn wie kann ein Buch, übrigens geschrieben von John Green, über Krebs und Leid so schön und gut sein, dass es fast ausschließlich Höchstpunktzahlen abkassiert? Nach etwas mehr als 300 Seiten Papier wurde dann selbst mir bewusst, warum viele das gleichnamige Buch so lieben.

Doch man muss es nicht gelesen haben, um zu verstehen, dass es sich bei dem Film „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ nicht nur um die Krankheit an sich dreht, sondern vielmehr um eine ehrliche und lebensbejahende Liebesgeschichte, die nicht davor scheut, das Krebsleiden ohne Umschweife und Nebenwirkungen zu präsentieren. So rollert Hazels Sauerstofftank immer hinter ihr her oder die Prothese von Gus wird offen dargestellt, aber auch die bevorstehende Blindheit des gemeinsamen Freundes Isaac wird immer wieder mal thematisiert. Trotz dieser Ehrlichkeit ist die Handlung auch für Nichtleser des Buches in den ersten fünf Minuten in Grundzügen klar, der eine oder andere wird sogar das Ende erahnen und dennoch ist „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ in keiner Minute langweilig. Es sind die kleinen unterhaltsamen und überraschenden Details, die mich als Zuschauer bei Laune halten. Darunter fallen auch aufgeweckte und durchdachte Dialoge zwischen den einzelnen Charakteren. Besonders gefallen hat mir dabei der Vergleich von Liebe und Mathematik, bei welchem der Anfang und das Ende der Liebe als Fixpunkte betrachtet werden. Zwischen diesen Fixpunkten liegen mal mehr, mal weniger unzählige weitere, die für jede Sekunde stehen, die die Liebe andauert. Um dann noch der recht transparenten Romanze eine gewisse Tiefe zu verleihen, schickt John Green seine Protagonisten auf die Reise in ein wunderschön dargestelltes Amsterdam. Hier möchte Hazel Antworten auf das offene Ende von „Ein herrschaftliches Leiden“ finden, in dem ihre Heldin ebenfalls an Krebs erkrankt ist und daran stirbt. Doch es werden jegliche Details verschwiegen, wie Eltern und Freunde nach dem Tod weiterleben und wer den kleinen Hamster in seine Obhut nimmt. Die Vermutung liegt nahe, dass Hazel die Antworten auf ihre eigene Umgebung projizieren möchte. Nachdem sie die ersehnte Auflösung nicht erhält, fällt sie in sich zusammen. Doch mit Gus an ihrer Seite erfährt nicht nur die Romanze, sondern auch der Film seinen eigentlichen Höhepunkt im Anne-Frank-Haus.

Aber egal wie viele Nebenhandlungen, Höhen und Tiefen es in „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ auch gibt, die größte Stärke des Films liegt in der Darstellung von Shailene Woodley als Hazel Grace Lancaster. Woodley ist eine bodenständige und glaubwürdige Schauspielerin, wie sie bereits in Filmen wie „Divergent – Die Bestimmung“ oder „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ beweisen konnte. Aber mit der Rolle als Hazel übernimmt sie auch eine gewisse Verantwortung die Krankheit und ihre Umstände authentisch darzustellen, was ihr bis zum Schluss gelingt. So hatte ich zum Beispiel zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, der Luftschlauch sei nur in die Nase gestöpselt, weil er dazugehört. Woodley hat mir tatsächlich das Gefühl vermittelt, dass es für sie als Hazel eine Tortur ist gleichmäßig zu atmen. Auch ihre Optik steht der Hazel aus dem Buch in nichts nach. Mit ihrer sehr blassen Haut, ihrem Fast-Pixie-Haarschnitt und ihrem grazilen Erscheinungsbild konnte ich jede ihrer Emotionen aus der Mimik und Gestik ablesen. Zudem bringt sie eine gewisse Reife mit, die eigentlich nur ein Erwachsener besitzt. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass Woodley als Hazel nicht nur das junge Publikum begeistern kann.

Wo Woodley vielleicht ein Tick zu erwachsen wirkt, ist Ansel Elgort als Augustus „Gus“ Waters ein Tick zu kindlich. Doch mit der Charmeoffensive, die Elgort an den Tag legt, verfällt auch jede Mutter dem möglichen Schwiegersohn. Gepaart mit einer gewissen Großspurigkeit und Egoismus, steuert Elgort etwas Interessantes aber auch Widersprüchliches dem Charakter bei. Zwischen ihm und Woodley stimmt die Chemie von Anfang bis Ende des Films und irgendwie hofft man, dass schlussendlich doch noch alles gut wird und das bezaubernde Pärchen für immer leben wird. Aber auch die Nebendarsteller können mit ihrer schauspielerischen Leistung auftrumpfen. Besonders Nat Wolff als Isaac hat es immer wieder geschafft, mich in den unerwartetsten Momenten zum Lachen zu bringen. Selbst Willem Dafoe als verzweifelter und betrunkener Peter van Houten hat mich überrascht. Denn obwohl ich ihn in seiner abgewrackten Verkleidung, sofern man davon überhaupt reden kann, fast nicht erkannt habe, hat sein Charakter Woodley und Elgort nur noch mehr erstrahlen lassen. Neben der Vielzahl wirklich guter Schauspieler bietet „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ noch ein kleines sehr modern erscheinendes Gimmick. Die SMS und Emails, die sich Hazel und Gus hin- und herschicken, werden als Pop-up auf der Leinwand eingeblendet. Dies hilft die Emotionen beim Lesen der Nachrichten einzublenden und weitere Sympathien zu sammeln, sodass zumindest ich nach den 125 Minuten auch traurig war, dass „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ nun zu Ende geht.

FAZIT: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist eine bewegende und dem gleichnamigen Buch getreue Verfilmung zweier junger Menschen, die einander finden und ihr Leben mit Krebs für einen kurzen Augenblick erhellen. Dabei werden nicht nur die Fans des Buches zu Tränen gerührt und zum herzlichen Lachen animiert, sondern auch derjenige, der mit der Materie neu konfrontiert wird. Selbst ihm wird es aufgrund der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Shailene Woodley, Ansel Elgort, Willem Dafoe, etc. unglaublich leicht fallen mit den Charakteren zu sympathisieren und ihr Schicksal zu verfolgen. Letztendlich ist es aber weniger die fragile Romanze zwischen Hazel und Gus oder die vielen tollen Persönlichkeiten, die den Film sehenswert machen, sondern vielmehr die wunderschöne Idee, dass egal wie kurz ein Leben auch sein mag, es ist immer Wert ist, gelebt zu werden und dass der enorme, aber auch vergängliche Abschiedsschmerz nichts ist, im Vergleich mit den unzähligen Momenten voller Liebe und Freude mit dieser einen Person.

45-sterne

• Genre: Drama, Liebesfilm • Studio: 20th Century Fox (12. Juni 2014) • Dauer: 125 Minuten •

(Bilder © 2014 20th Century Fox)

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