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Morgenstern 1: Leben und Sterben

Morgenstern 1: Leben und Sterben

INHALT
Chris Morgenstern hat seine Karriere als Polizist aufgegeben, um nun die Straßen von Potsdam als Privatdetektiv sicher zu machen. Was sich anfänglich als glorreiche Idee präsentiert hat, entpuppt sich von Tag zu Tag härter zu werden, denn Chris ist auf jeden Job angewiesen. So verweilt er derzeit auf dem Gelände einer Baufirma, die mit dem Diebstahl mehrerer Kilogramm Metall zu kämpfen hat. Da Chris auch nach zahlreichen Stunden des Wartens keine Spur finden kann, begibt er sich zu seiner Lieblingsbäckerei mit der sympathischen Verkäuferin, Tori. Doch bevor er den Laden betreten kann, wird Chris Zeuge, wie ein unter Drogeneinfluss stehender Halbstarker eine Gruppe Jugendlicher erst bedroht und dann verprügelt. Morgenstern eilt den zwei Jungen und dem Mädchen rechtzeitig zur Hilfe und schlägt den Halbstarken nieder. Alldieweil er nun in den Vorfall verwickelt ist, muss er als Zeuge zur Polizei. Erst am Abend kann er die Station verlassen und geht von dort direkt zur Stammkneipe „Schulz“. Aber auch hier scheint Chris Morgenstern vor Überfällen nicht sicher zu sein, denn wie sollte es anders sein, wird eine hübsche Belgierin von zwei Anzugträgern belästigt. Weshalb Morgenstern hier ebenfalls einmal feste zuhaut. Die abschließenden netten Stunden des Tages mit der Belgierin können Chris zwar einiges an Erholungspunkten zurückgeben, doch wird sein Kampfgeist und Spürsinn spätestens mit dem Anruf der Anwaltskanzlei Buhrmann wieder herausgefordert, da er für sie eine Crystal-Meth-Höhle hochnehmen soll…

REZENSION
Bevor ich „Morgenstern 1: Leben und Sterben“ überhaupt in den Händen hielt, bin ich davon ausgegangen, dass es sich bei allen Werken aus dem Hause Folgenreich um Hörspiele handelt. Umso überraschter war ich dann, als ich auf der Rückseite der CD gelesen habe, dass es sich dabei um eine inszenierte Lesung handelt. Zudem soll parallel zu jeder Folge ein E-Book erscheinen, bei dem der Fan die Ereignisse (mit-)lesen kann. Eine Kostprobe dazu bietet die Folge 0 von Morgenstern, die die Ereignisse vor seinem Wunschberuf Privatdetektiv beleuchtet. Die Handlung von „Morgenstern 1: Leben und Sterben“ ist sehr klischeebehaftet, denn schon nach wenigen Minuten wurde mir klar, dass Chris Morgenstern ein Kinder liebender, gut aussehender Ein-Meter-Neunzig-Mann mit tiefer Stimme ist. Sein Freund Knut ist dagegen ein etwas bekloppter, exzentrischer, kleinwüchsiger Rotzlöffel, dessen Hände so groß wie die Schaufeln eines Baggers sind. Nun liegt der Gedanke nahe, dass sich damit bereits ausreichend vom Topf der Stereotype bedient wurde, doch weit gefehlt. Denn in Potsdam wird Crystal Meth hergestellt und Zwangsprostitution mit Minderjährigen Rumäninnen betrieben. Und auch hier schrecken die Macher nicht zurück, den Hörer davor eingängig zu warnen, dass Drogen und Prostitution ganz dolle böse sind (Auweia.). Mal abgesehen davon konnte ich der groschenromanartigen Handlung recht gut folgen, da es ja nur einen Sprecher bzw. Erzähler gibt, der sich schlecht selbst unterbrechen kann und bei klarem Verstand auch keine Handlungssprünge geschehen lässt. Der Höhepunkt von Morgensterns Erzählungen bilden die einzelnen Charakterbeschreibungen, die durchaus explizit sind und die Figuren sehr charmant wirken lassen.

Was mich jedoch in dem ganzen Tohuwabohu von Sodom und Gomorra nicht gefallen hat, ist die doch recht gewöhnungsbedürftige Stimme von Olaf Reitz, weshalb ich das erste Hören von „Morgenstern 1: Leben und Sterben“ abgebrochen habe. Da Reitz mir als Synchronsprecher unbekannt ist, wollte ich ihm und der inszenierten Lesung einige Tage später eine weitere Chance geben. Seine Stimme ist zwar immer noch nicht wirklich mein Fall, aber der Hörer kann sich an seine nicht gerade abwechslungsreiche Intonation gewöhnen. Ich empfinde es eben als langweilig, wenn viele männliche Figuren gleich klingen und die weiblichen nach Olivia Jones. Hier und da täte der Lesung eine andere Betonung gut. Auch die inszenierte Lesung war für mich neu. Ich habe bereits davon gehört und auch darüber gelesen, aber selbst mich nie aktiv damit beschäftigt. Zwar sind die realistisch klingenden Geräusche und die Stimmung unterstützende Begleitmusik in „Morgenstern 1: Leben und Sterben“ nett mit anzuhören, retten aber die Lesung nicht aus dem tiefen Loch der Unmut. Denn dafür klingt manches für Folgenreich-Standards doch zu sehr nach Schulprojekt bzw. nach einer Art Point-and-Click-Adventure, in welchem der Erzähler den Helden in seinen Taten unterstützt, aber dieser nie selber zu Wort kommt, wie z.B. in „Castle of Illusion: Remake“ oder „Leisure Suite Larry: Reloaded“. Zudem hat sich die Wahl eines zweitens Sprechers, der Grunz-, Japs- und Knurrgeräusche von sich gibt, eher als irritierend herausgestellt als unterstützend. Werswine is in the House.

FAZIT
„Morgenstern 1: Leben und Sterben“ konnte mich nicht überzeugen. Zum Einen liegt es wohl daran, dass ich im Vorfeld mit einem Hörspiel statt einer inszenierten Lesung gerechnet habe, aber zum Anderen liegt mein Missfallen auch darin begründet, dass Olaf Reitz als Sprecher bzw. Erzähler der Folge eine eher schwache Leistung abliefert, die der sehr klischeebehafteten Geschichte noch den letzten Schmiss Langeweile verpasst. Die ansprechende Soundkulisse kann da auch nicht mehr helfen.

20-sterne

• Genre: Krimi • Studio: Folgenreich/Universal (22. November 2013) • ASIN: B00G2QWQVM • Dauer: 70 Minuten • Auch als mp3-Version erhältlich •

(Bilder © 2013 Folgenreich/Universal)

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